Solare Straßen und Gehwege: Funktionieren solche Projekte wirklich?

Solarmodule im Asphalt? Die Idee klingt innovativ und nachhaltig. Doch funktioniert sie auch in der Praxis? In den letzten Jahren wurden weltweit Pilotprojekte gestartet – von Frankreich über die Niederlande bis nach China. Viele dieser Versuche versprachen eine Revolution. Heute wissen wir: Die Realität sieht oft anders aus.

Was steckt hinter der Idee?

Solare Straßen sollen Energie erzeugen, wo vorher nur Verkehr floss. Panels werden direkt in die Fahrbahn oder den Gehweg integriert. Ziel ist es, Strom zu produzieren, ohne neue Flächen zu versiegeln. Besonders in Städten mit wenig Platz ist das attraktiv. Auch Ladestationen für E-Autos könnten so direkt mit Strom vom Boden versorgt werden.

Warum scheiterten viele Pilotprojekte?

Die größten Probleme sind Haltbarkeit und Effizienz. In Frankreich wurde 2016 die berühmte „Wattway“-Straße gebaut. Nach wenigen Monaten zeigten sich massive Schäden. Risse, Lärmbelastung und geringer Stromertrag machten das Projekt wirtschaftlich untragbar.

In den Niederlanden testete man solare Radwege. Auch dort gab es Rutschgefahr bei Regen und hohe Reparaturkosten. Selbst in China, wo man großflächiger baute, war Vandalismus ein Problem.

Was sagen Experten heute?

Experten sehen das Konzept kritisch. Solarpanels funktionieren am besten, wenn sie im optimalen Winkel zur Sonne stehen. In Straßen integriert, liegen sie flach und oft im Schatten. Zudem sind sie mechanisch stark belastet: Autos, Streusalz, Regen und Hitze setzen dem Material zu.

Ein weiteres Problem: Die Reinigung. Staub, Blätter oder Schnee mindern die Leistung deutlich. Anders als bei Dachanlagen kann man nicht einfach Wasser drüber laufen lassen.

Gibt es dennoch Potenzial?

Ja – aber eher für Gehwege und Parkflächen. Dort ist der Druck geringer und die Lebensdauer höher. Besonders für smarte Städte oder temporäre Installationen (z. B. Events, Messen) könnten Solarwege ein interessantes Zusatzmodul sein.

Auch Kombinationen mit LED-Beleuchtung oder Wärmeerzeugung (z. B. gegen Glätte) werden getestet. Die Technik entwickelt sich weiter, doch derzeit bleibt sie teuer und ineffizient im Vergleich zu klassischen Solaranlagen.

Solare Straßen sind kein Ersatz für Dach- oder Freiflächenanlagen. Derzeit lohnt sich der Bau kaum. Zu teuer, zu anfällig, zu wenig Ertrag. Doch als Ergänzung – etwa für Stadtmöblierung, Busstationen oder Radwege – könnten sie punktuell sinnvoll sein.